Universal Commerce Protocol: Googles neues Kommunikationsprotokoll

Über diesen Guide

Google hat zu Beginn des Jahres den neuen Standard zur Kommunikation im Onlinehandel vorgestellt, das Universal Commerce Protocol. UCP ist ein offener, technischer Standard und stellt die Infrastruktur für den Handel der Zukunft dar. Denn: Es vereinfacht die Customer Journey und treibt Conversational Commerce über agentenbasierte Kommunikation voran. Welche Vorteile das Protokoll bietet und wie sich der Einsatz von KI und Chatbots ändert, zeigen wir im Artikel.

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Was ist das Universal Commerce Protocol?

UCP steht für „Universal Commerce Protocol“ und wurde von Google initiiert und Anfang 2026 als neuer, offener Standard für den "Agentic Commerce", d.h. den Handel unter Einsatz von KI, vorgestellt. Es legt gemeinsame Regeln für die agentenbasierte Interaktion mit Produktkatalogen, Warenkörben und Zahlungen fest, sodass keine individuellen Integrationen für jeden einzelnen Händler mehr erforderlich sind. Das Protokoll ermöglicht so die Kompatibilität über einen Standard hinweg, wobei die Schritte der Customer Journey maschinenlesbar an KI-Agenten übergeben werden können. 

Nutzen und Entstehungskontext

Das Ziel des Universal Commerce Protocol (UCP) ist es, die Kommunikation und Interoperabilität zwischen verschiedenen Handelsunternehmen zu erleichtern. UCP wurde „von der Branche für die Branche“ (UCP, 2026) entwickelt, wichtige Partner sind beispielsweise Shopify, Etsy und Walmart. Der Fokus der Entwicklung liegt auf der Bereitstellung einer technisch übergreifenden und strukturellen Grundlage, um die Kommunikation zwischen KI-Agenten und Webseiten zu vereinfachen und zu standardisieren, sodass Nutzer Einkäufe abschließen können, ohne die KI-Chat- oder Suchoberfläche zu verlassen. Dadurch werden fragmentierte Kaufprozesse gelöst, die zu abgebrochenen Warenkörben und frustrierten Käufern führen können. Bisher sprechen Shopsysteme und Bezahldienste verschiedene Sprachen, UCP bricht diese Plattformsilos auf. 

Wie funktioniert UCP technisch? 

UCP standardisiert den eigentlichen Handelsakt und definiert eine Reihe von Standardfunktionen: Angebot, Identität und Zahlung. Die gesamte UCP-Kommunikation muss dabei über HTTPS, die Grundvoraussetzung für vertrauenswürdige, sichere Kommunikation im Netz, erfolgen. Auf der Development-Seite von UCP wird zudem bereits gezeigt, dass weitere Fähigkeiten in Entwicklung sind. Hier die High-Level-Architektur als vereinfachtes Schaubild dargestellt:

Die UCP Architektur auf High Level Ebene

Das UCP-Framework basiert auf drei Kernprinzipien, die das Zusammenspiel der Akteure strukturieren und die Architektur bestimmen:

  1. Das Fundament bilden die Capabilities, welche die eigentlichen Geschäftsfunktionen oder Aktivitäten wie Bestellung aufgeben, Checkout etc. definieren. 
  2. Diese werden durch Extensions ergänzt, das sind optionale Erweiterungen, die spezifische Zusatzfunktionen wie Rabatte oder regulatorische Vorgaben (z. B. Mandate) direkt in die bestehenden Kernprozesse integrieren. 
  3. Technisch umgesetzt wird UCP über Services. Sie bilden die Kommunikationsschicht (z. B. REST-APIs oder Agent-zu-Agent-Protokolle) und stellen sicher, dass Daten unabhängig vom gewählten Übertragungsweg interoperabel ausgetauscht werden können. 

Dabei unterscheidet UCP zwischen vier unterschiedlichen Akteuren mit definierten Rollen im Handelslebenszyklus:

1. Platform (Application/Agent): Steuerung der Commerce-Journey, vermittelt als Schnittstelle zum Kunden

Hauptaufgabe: Entdeckung von Unternehmen und Ausführung der Nutzeranfragen

Verantwortlichkeiten: Abrufen von Unternehmensprofilen, Initiierung des Checkouts und  Bereitstellung der Benutzeroberfläche (UI/Chat)

Beispiele: KI-Shopping-Assistenten, Suchmaschinen.

2. Business: Der eigentliche Verkäufer von Waren oder Dienstleistungen

Hauptaufgabe: Als Merchant of Record (MoR) trägt er die finanzielle Haftung und besitzt die Bestellung

Verantwortlichkeiten: Bereitstellung von Verfügbarkeit und Preisen, Auftrags- und Zahlungsabwicklung

Beispiele: Einzelhändler, Fluggesellschaften, Hotels

3. Credential Provider (CP): Verwaltung sensibler Daten als vertrauenswürdige Instanz 

Hauptaufgabe: Sichere Speicherung und Freigabe von Zahlungsdaten und Identitätsinformationen

Verantwortlichkeiten: Authentifizierung des Nutzers, Ausgabe von Payment-Token (zum Schutz der Rohdaten) und Reduzierung des Compliance-Aufwands für andere Akteure

Beispiele: Digital Wallets (Apple Pay, Google Wallet), Identity Provider.

4. Payment Service Provider (PSP): Die finanzielle Infrastruktur im Hintergrund

Hauptaufgabe: Abwicklung der Transaktionen im Auftrag des Unternehmens

Verantwortlichkeiten: Autorisierung und Erfassung von Zahlungen, Abrechnung und Kommunikation mit Kartennetzwerken; interagiert oft direkt mit den Token des Credential Providers

Beispiele: Stripe, Adyen, PayPal

Die genaue technische Umsetzung, mit allen Konventionen und Governance-Aspekten kann öffentlich über die Universal Commerce Protocol (UCP) Official Specification eingesehen werden. 

Anwendungsfälle und Vorteile

UCP setzt dort an, wo eine Kaufabsicht besteht: Checkout, Identität und Auftragsabwicklung sind transaktionale Phasen, die per UCP standardisiert und automatisiert werden können. Die vorgelagerten Phasen des Commerce-Lifecycles, konkret Awareness, Interest, Consideration, werden nicht direkt durch UCP abgedeckt. Mechanismen wie SEO, bezahlte Werbung und Empfehlungen der KI-Agenten bleiben somit relevant, um die Nutzer auf ein Produkt aufmerksam zu machen. Die drei initialen Kernfähigkeiten von UCP im Überblick:

  1. Checkout: Unterstützung komplexer Warenkorblogik, dynamischer Preisgestaltung, Steuerberechnung und mehr über eine einheitliche Checkout-Session.
  2. Identity Linking: Via OAuth 2.0 können KI-Agenten und Plattformen sichere, autorisierte Beziehungen zu Shops aufbauen, ohne Zugangsdaten zu teilen. 
  3. Order Management: Echtzeit-Webhooks ermöglichen Statusupdates, Sendungsverfolgung und Retourenabwicklung über alle Kanäle hinweg, von Kaufbestätigung bis Lieferung.

Zusätzlich gibt es zwei Checkout-Modi: Native Checkout (die direkte API-Integration für plattformeigene UI) und Embedded Checkout (Einbettung der Händler-UI mit bidirektionaler Kommunikation). Das Wertvolle beim Einsatz von UCP für Unternehmen ist, dass Händler ihre Geschäftsregeln beibehalten und Merchant of Record bleiben. Das bedeutet, dass sie in der direkten Beziehung zum Kunden stehen und die Kontrolle über Daten, Kundendienst, Angebote etc. behalten.

Definition: Merchant of Record Ein Merchant of Record ist ein eingetragenes Unternehmen, das als juristische Person den gesamten Zahlungsprozess für Waren und Dienstleistungen im Auftrag eines Online-Händlers verantwortet und abwickelt.

Ein relevantes Beispiel für den Einsatz des UCP-Standards sind KI-Chatbots, da sie oft an der Hürde scheitern, dass sie zwar mit dem Nutzer interagieren können, aber keine kompletten Transaktionen (Käufe oder Buchungen) abschließen dürfen, ohne den Nutzer auf eine externe Webseite weiterzuleiten. Dank UCP kann der Chatbot nun allerdings in Echtzeit auf Produktdaten, Lagerbestände und Zahlungssysteme der Anbieter zugreifen, ohne dass jede Schnittstelle einzeln integriert werden muss. Der Nutzer erhält ausgewählte Vorschläge und kann den Kauf innerhalb des Chats nahtlos und ohne Medienbruch abschließen. 

Schritt Interaktion Handlung
Anfrage Nutzer → Platform "Ich möchte das kaufen." Chatbot-Agent fungiert als Plattform und verarbeitet die Anfrage.
Datenfluss Business → Platform Preis, Steuern und Verfügbarkeit werden vom Chatbot angefragt und vom Business, der Website des Shops z.B., geliefert.
Sicherheit CP → Business/PSP Ein Token (statt echter Kartendaten) wird bei der Transaktion übermittelt, sodass Daten geschützt werden.
Abwicklung PSP → Banken Das Geld wird autorisiert und transferiert, der Nutzer bleibt dabei im Chatbot-Fenster.
Der UCP Verkaufsprozess als Standard

Vorteile von UCP

Besonders von Vorteil für Unternehmen sind die reduzierten Kosten und die hohe Skalierbarkeit der Anwendungsmöglichkeiten, Weitere Vorteile sind: 

  • geringe Integrationskosten
  • Verkürzte Time-to-Market
  • hohe Skalierbarkeit und 
  • Einfache Integration von Plattformen oder Services ohne großen Mehraufwand
  • Open-Source-Standard erlaubt einfache Prüfung und Anpassungen
  • UCP-Unterstützung durch globale Technologie- und Handelsführer.

Die Partner und Kunden sind eine Kombination aus Tech-Giganten, Handelsplattformen und Zahlungsanbietern und senden ein starkes Signal an den Markt. Plattform müssen nicht mehr individuell und aufwändig angebunden werden, da UCP als universeller Standard für die Systeme funktioniert. 

UCP unterstützt vollständig die Technologien, die KI-Agenten brauchen, um eigenständig zu kommunizieren und zu handeln, die drei zentralen Protokolle sind: 

  1. MCP (Model Context Protocol) ermöglicht es KI-Agenten in Echtzeit auf relevante Händlerdaten zuzugreifen,
  2. A2A (Agent2Agent) regelt die strukturierte Kommunikation und Aufgabenteilung zwischen verschiedenen Agenten,
  3. AP2 (Agent Payments Protocol) stellt sicher, dass Zahlungen am Ende des Prozesses sicher und automatisiert ausgelöst werden. 

Gemeinsam decken sie den kompletten Ablauf eines agentenbasierten Kaufprozesses ab und schaffen die technische Grundlage, dass UCP den gesamten Kaufprozess abdeckt.

Was sind die Herausforderungen von UCP?

Die größten Herausforderungen hinsichtlich KI im traditionellen E-Commerce liegen auf der technischen und organisatorischer Ebene: Händler müssen ihre bestehenden Systeme und Produktdaten so aufbereiten, dass sie maschinenlesbar und UCP-kompatibel sind, gleichzeitig müssen Händler und Nutzer darauf vertrauen können, dass die Agenten zuverlässig und sicher im Sinne aller Beteiligten handeln. 

Technische Anforderungen

Obwohl UCP die langfristige Integration vereinfacht, wird für die Ersteinrichtung ein hoher interner Change-Aufwand notwendig. Der Aufwand kann besonders für kleinere Händler ohne spezielle IT-Ressourcen erheblich sein. Eine dedizierte IP-Infrastruktur ist teuer und es sind aufbereitete Echtzeit-Datenfeeds für den Einsatz von UCP notwendig. Unstrukturierte Produktdaten erschweren die Einrichtung und Fehler bei der Sicherheitsprüfung können dazu führen, dass KI-Agenten einen angefragten Shop als nicht verfügbar markieren. Das wirkt sich negativ auf die Sichtbarkeit von Empfehlungen aus. 

Zudem ist die technische Herausforderung für Legacy-Systeme, dass Bestands- und Preisdaten laufend aktualisiert werden müssen, damit die KI-Agenten die richtigen Verfügbarkeiten kommunizieren. Interpretiert ein Agent eine Eingabeaufforderung falsch und es wird eine irrtümliche Bestellung aufgegeben, kommt es zu Problemen bei der Haftungsregelung. Diese Bedenken spiegeln sich auch in der Akzeptanz wider, für den vollständig autonomen Einkauf ist ein hohes Nutzervertrauen erforderlich. 

Veränderung der Customer Journey

Besonders bemängelt wird beim „Zero-Klick-Commerce“, dass mit dem KI-Assistenten als primäre Markenschnittstelle weniger direkter Traffic auf den Händlerwebseiten erfolgt, was Strategien wie Retargeting und Cross-Selling erschwert. Zudem wird die Customer Experience mit dem Händler selbst grundlegend verändert und die Kundenbindung aufgrund der geringeren Interaktion wird zur Herausforderung. In der Kritik steht damit auch die Abhängigkeit vom Google-Ökosystem.

Sichtbarkeit trotz UCP: Was Händler nun tun können 

Wichtig beim Einsatz des Universal Commerce Protocols ist eine initiale Bestandsaufnahme: Sind Produktdaten, Preise und Verfügbarkeiten so strukturiert und aufbereitet, dass KI-Agenten sie auslesen können? Entscheidend für  agentenbasierten Commerce ist eine qualitative Basis sauberer, strukturierter Daten.  

Investitionen in die eigenen Channel, also Newsletter, Apps und direkte Kundenbeziehungen, gewinnen an strategischer Bedeutung, und UCP sollte als neue Möglichkeit betrachtet werden, Kunden über einfache Kaufabwicklungen für die Produkte zu interessieren. 

Flexibilität bei der Wahl des Protokolls und der Integration hilft, eine exklusive Bindung an einen Standard zu vermeiden. Eine Multi-Protokoll-Strategie könnte z.B. Alternativen wie das Agentic Commerce Protocol (ACP) von OpenAI und Stripe umfassen, sodass Händler sich nicht exklusiv an einen Standard binden. 

UCP sollte nicht als Bedrohung verstanden werden, sondern als leistungsstarker Kanal, der die Customer Journey vereinfacht und die Reichweite erhöhen kann, vorausgesetzt, Unternehmen bereiten sich technisch und strategisch vor.

Fazit: Wohin entwickelt sich UCP?

UCP als Standard wird zunehmend intelligenter weiterentwickelt, muss dabei aber die genannten Herausforderungen adressieren, um den Agentic Commerce branchenübergreifend voranzutreiben und Händler- sowie Kundenvertrauen zu gewinnen. Bisher mussten Nutzer eigenständig suchen, navigieren und vergleichen. Nun können Nutzer einfach fragen, ob einen KI-Agenten, KI-Chatbot oder Sprachassistenten. Der nahtlose Dialog mit dem Kunden und die individuell abgestimmte Customer Journey stehen im Mittelpunkt für den erfolgreichen Handel über UCP. Klassische Produktdetailseiten verlieren an Relevanz. Händler müssen Inhalte und Services in Zukunft primär für KI-Agenten optimieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

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