Definition: Was ist Beschwerdemanagement?
Jedes Unternehmen hat mal mit schlechtem Kundenfeedback zu tun. Das Beschwerdemanagement ergreift systematisch Maßnahmen, um mit dieser Kritik umzugehen und Kunden wieder zufriedenzustellen. Somit ist es integraler Bestandteil der gesamten Customer Experience.
Was ist der Unterschied zwischen Beschwerden und Reklamationen?
Beschwerden: Die Kundenerwartungen wurden nicht erfüllt und das Unternehmen konnte für den Kunden die Versprechen hinsichtlich seines Produkts oder Dienstleistung nicht halten. Beispiel: Längere Lieferzeit als versprochen.
Reklamationen: Das Produkt ist defekt oder weist Mängel auf bzw. die Dienstleistung ist mangelhaft. Beispiel: Bestelltes Geschirr kommt zerbrochen an.
Was sind Ziele des Beschwerdemanagements?
Negatives Feedback ist oft erst einmal frustrierend. Aber aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, sind Kundenbeschwerden sehr wertvoll und können ein echter Gamechanger für Unternehmen sein. Denn sie geben ihnen die Möglichkeit, sich zu verbessern. Und das ist nicht selbstverständlich: Viele unzufriedene Kunden treten gar nicht erst an das Unternehmen heran, sondern wandern einfach ab. So wissen Unternehmen nicht, dass etwas nicht rund läuft oder wo bei Kunden der Schuh drückt. Aus dieser Position kann es schwierig sein, Verbesserungen vorzunehmen. Teilen die Kunden aber ihre Kritik, sieht das anders aus!
Daher sind die zentralen Zielsetzungen im Beschwerdemanagement:

- Kunden, die sich beschweren, wieder zufriedenstellen und durch eine schnelle und lösungsorientierte Bearbeitung der Beschwerde einen positiven Eindruck bei ihnen hinterlassen.
- Verhindern, dass Kunden aufgrund schlechter Erfahrungen abwandern, und sie stattdessen wieder vom Unternehmen überzeugen, sodass sie auch künftig treue Kunden bleiben.
- Das Produkt bzw. die Dienstleistung und die Prozesse dahinter so verbessern, dass künftig keine Beschwerden mehr entstehen.
Positive Auswirkungen eines guten Beschwerdemanagements
Warum ein effektives Beschwerdemanagement so wichtig ist, zeigen die positiven Auswirkungen, die ein methodischer Umgang mit Beschwerden haben kann:

- Ein unzufriedener Kunde kommt selten allein, doch nicht alle kontaktieren Unternehmen, um sich zu beschweren. Löse das Problem eines Kunden (bspw. indem du Lieferzeiten verkürzen kannst), dann machst du damit wahrscheinlich auch viele weitere glücklich.
- Es verbessert die Kundenbeziehungen.
- Es stärkt die Kundenbindung. Und loyalere Kunden bedeuten, dass du weniger Ressourcen investieren musst, um neue Kunden zu akquirieren.
- Zufriedene Kunden empfehlen Unternehmen auch eher online und persönlich weiter.
- Dein Image profitiert von einem kundenfreundlichen Auftreten bei Beschwerden.
- Es ist eine Chance, sich von der Konkurrenz abzuheben.
- Indem Kunden durch ihre Beschwerden auf Verbesserungspotenziale bei Leistungen, Produkten oder Prozessen aufmerksam machen, können Kosten eingespart werden.
- Die stetigen Optimierungen und Anregungen bergen außerdem Potenzial für Innovationen.
Wie funktioniert Beschwerdemanagement?
Damit das Beschwerdemanagement sein volles Potenzial entfalten kann, sollte es in zwei Prozesse gegliedert sein:
Die zwei Arten des Beschwerdemanagements
- Direktes Beschwerdemanagement:
Hier kümmern sich Unternehmen um die Beschwerde selbst. Es geht darum, das Kundenanliegen aufzunehmen, es möglichst schnell zu bearbeiten und kundenfreundlich zu lösen. - Indirektes Beschwerdemanagement:
Um aus der Beschwerde auch tatsächlich eine generelle Verbesserung ableiten zu können, ist das indirekte Beschwerdemanagement da. Bei diesem Prozess identifiziert das Unternehmen, was die Ursache hinter der Beschwerde ist und was getan werden kann, um dieses Problem zu beheben. Dieser Teil des Beschwerdemanagements läuft also intern und nicht mehr im Kontakt mit Kunden ab.

Übrigens: Wenn du vor der Aufgabe stehst, ein Beschwerdemanagement aufzusetzen, kann sich ein Blick in die Beschwerdemanagement-Norm lohnen. Die DIN ISO 10002:2019-07 erklärt zentrale Begriffe, erläutert Prinzipien und Aufgaben und unterstützt mit Hilfsmitteln.
Maßnahmen im Beschwerdemanagement
Von der initialen Kundenbeschwerde bis zu einer Lösung sollten Unternehmen im direkten Beschwerdemanagement folgende Maßnahmen ergreifen:
1. Die Beschwerde stimulieren
Du solltest nicht einfach davon ausgehen, dass Kundenbeschwerden dich schon irgendwie erreichen werden. Vielmehr solltest du es deinen Kunden so einfach wie möglich machen, dein Unternehmen zu kontaktieren. Denn nichts ist frustrierender, als wenn man sich mit einem Problem an ein Unternehmen wenden möchte und einfach keine Möglichkeit dazu findet.
Die Kontaktmöglichkeiten sollten Kunden also schnell finden können und nicht auf verschiedenen Unterseiten nach Kontaktdetails suchen müssen. Außerdem solltest du möglichst viele Anlaufstellen schaffen, zum Beispiel Chatbots, Kontaktformulare auf der Website, Hotline, Support auf Social Media oder per E-Mail.
2. Die Beschwerde annehmen
Es ist soweit: Ein Kunde nutzt eine der Kontaktmöglichkeiten, um sich bei deinem Unternehmen zu beschweren. Dann geht es weiter mit folgenden Schritten:
- Das Anliegen wird aufgenommen, idealerweise über ein digitales Ticketsystem.
- Der Kunde erhält eine Rückmeldung, was nun die nächsten Schritte sind und bis wann das Anliegen gelöst wird.
Übrigens: Chatbots haben den Vorteil, dass Kunden direkt zum einen eine Bestätigung erhalten, dass ihr Thema eingegangen ist und zum anderen die Information bekommen, dass sich bspw. ein Servicemitarbeiter kurzfristig mit ihrem Problem beschäftigen wird. Im Zuge des Chats können Kunden dann auch weitere Fragen stellen oder der Bot kann ihnen ergänzendes Self-Service-Material vorschlagen.
3. Die Beschwerde prüfen
Nachdem du das negative Feedback aufgenommen hast, geht es im nächsten Schritt darum zu prüfen, um welche Art der Beschwerde es sich handelt und wer für dieses Thema zuständig ist. Das Anliegen wird dann zur Bearbeitung an die zuständigen Personen gegeben.
4. Die Beschwerde bearbeiten bzw. lösen
An diesem Punkt wird eine geeignete Lösung für das Anliegen entwickelt. Welche das sein kann, hängt von der Art der Beschwerde ist. Beispiele sind:
- Der Kunde erhält eine finanzielle Entschädigung, bspw. einen Preisnachlass oder einen Gutschein.
- Der Kunde bekommt einen materiellen Ausgleich, indem ein Produkt umgetauscht wird oder ggf. durch ein anderes ersetzt wird.
- Die Dienstleistung oder das Produkt wird ausgebessert.
- Es ist kein Lösung möglich? Dann solltest du dich aufrichtig beim Kunden entschuldigen und die Gründe dafür nennen.
Wichtig dabei ist: Damit das Unternehmen einen zuverlässigen Eindruck macht, sollte die Beschwerde auch innerhalb der angekündigten Zeit bearbeitet werden.
Und wie sehen die Prozesse und Maßnahmen im indirekten Beschwerdemanagement aus?
- Auswertung der Beschwerden: Alle Beschwerden werden zusammengetragen und die Daten analysiert: Was sind mögliche Muster und wo liegen die Ursachen?
- Controlling: Hier prüfst du, ob Beschwerden auch an der richtigen Stelle im Unternehmen angekommen sind, ob alle Richtlinien eingehalten wurden, die es zum Beschwerdemanagement gibt, und wie das Kosten-Nutzen-Verhältnis des Prozesses aussieht.
- Reporting & Qualitätssicherung: Das Management oder andere leitende Personen erhalten einen Report zu dieser Auswertung. Du kannst darauf basierend entscheiden, welche Maßnahmen du treffen möchtest, um die Qualität der Produkte, Dienstleistungen und Prozesse daraufhin zu verbessern.
Sieben Tipps, wie du Beschwerden gut managest
- Sich zu rechtfertigen ist eine der schlechtesten Methoden, um mit Kritik umzugehen. Selbst wenn dich keine Schuld trifft, solltest du nicht in die Defensive geraten. Vermittle Kunden das Gefühl, dass es wertgeschätzt wird, dass sie sich mit ihrem Anliegen an dich wenden.
- Sei emphatisch und zeige Verständnis für die Probleme der Kunden.
- In der Kommunikation mit Kunden sollte immer ein kühler Kopf bewahrt und höflich geantwortet werden.
- Auch eine ehrliche Entschuldigung ist für Kunden oft schon viel wert. In vielen Fällen wollen sie einfach gehört werden – also lass sie wissen, dass ihre Meinung wichtig ist.
- Halte die Kunden auf dem Laufenden: Versende zum Beispiel Statusupdates, ähnlich wie Paketdienste, mit Informationen zum Stand ihres Anliegens.
- Komme den Kunden entgegen und mache es ihnen „bequem“. Ein Beispiel: Amazon stellt es Kunden bei Reklamationen, bei denen es um kleinere Beträge geht, teilweise frei, ob sie das beanstandete Produkt zurücksenden oder behalten möchten.
- Schule deine Service-Mitarbeiter im Umgang mit negativem Feedback.
Fazit: Beschwerden sind ein Mehrwert
Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, sind Kundenbeschwerden ein echter Mehrwert für Unternehmen. Mit dem richtigen Ansatz kannst du sie zu deinem Vorteil nutzen und dein Unternehmen auf ein neues Level heben. Ein methodisches Beschwerdemanagement hilft Ihnen, enttäuschte Kunden wieder zufriedenzustellen. Schließlich ist der beste Weg, um bestehende Kunden zu halten und neue zu gewinnen, mit herausragendem Service zu überzeugen. Wenn du richtig mit Beschwerden umgehst, hilfst du außerdem dabei, Produkte, Dienstleistungen oder Prozesse zu verbessern.
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